Saftiger Zwetschgenkuchen mit Hefeteig, üppig belegt und unter einer noch üppigeren Schicht von buttrrigen Zimtstreuseln – für mich der perfekte Zwetschgenkuchen für den Spätsommer. Ein einfacher dünner Hefeteig, der nur einmal gehen muss, danach direkt ausgerollt, belegt und gebacken wird. Klassisch vom Blech, für 20 unwiderstehliche Kuchenstücke, am liebsten mit Schlagsahne serviert.
Warum der Kuchen 20 Jahre gebraucht hat, um es in den Blog zu schaffen
Diesen Zwetschgenkuchen mit Hefeteig backe ich seit locker 20 Jahren zur Pflaumensaison und bis heute hat er es nie in den Blog geschafft. Der Grund ist so uspektakulär wie auch irgendwie doof: Ich hab immer gedacht, dass es das Rezept doch einfach in jeder Familie gibt. Und online gibt es Hunderte ähnliche Varianten. Ich hab immer lieber ausgefallenere und andere Kuchen geteilt, aber nie meinen absoluten Standard. Als ich den Kuchen jetzt also wieder gebacken habe, habe ich gedacht: Quatsch, das ist kein Grund. Jeder macht den Kuchen ein bisschen anders. Und das hier ist mein Platz für meine Rezepte.
Es ist kein typischer Familien-Kuchen, kein weitergegebenes Rezept meiner Großmütter. Von denen habe ich andere Kuchenrezepte. Das hier muss ich als Teenager (Hüstel, ok, junge Erwachsene) mal irgendwo aufgeschnappt haben. Zu einer Zeit, wo es noch nicht viele Blogs gab und ich angefangen habe, nach Jamie Oliver Büchern zu kochen. Egal ob Geburtstag oder Familienfest, der Kuchen kommt immer super an und deswegen hat er seinen Platz hier mehr als verdient.
Hier im Rheinland hat der Zwetschgenkuchen Prummetaat, in der hessischen Heimat Quetschekuche und in Bayern Zwetschgendatschi. Bei uns hieß er einfach Pflaumenkuchen. Verratet mir doch gerne in den Kommentaren, wie ihr den Kuchen nennt und wie er bei euch zubereitet wird.
Eine Rezeptidee für einen Blitz-Zwetschgenkuchen mit Sahne-Rührteig und Bienenstich-Topping findet ihr übrigens hier: Zwetschgenkuchen mit Mandeltopping.

Mein Geheimnis: Die Süße steckt hier in den Streuseln
Wenn ihr euch meine Zutaten anguckt, fällt euch vielleicht auf, dass die einzelnen Elemente etwas anders aufgebaut sind als sonst. Normalerweise macht man klassische Streusel in einem typischen Verhältnis von zwei Teilen Mehl, einem Teil Zucker und einem Teil Butter. Ich verwende für meine Streusel allerdings deutlich mehr Zucker. Der Hefeteig darunter ist dann allerdings kaum gesüßt und auf die Zwetschgen kommt bei mir auch kein extra Zucker.
Das hatte nicht mal einen Faulheits-Grund, sondern ist über die Jahre so gewachsen und hat sich immer mehr verschoben. Ich mag es, wenn die Süße aus den knusprigen Streuseln kommt, die Frucht selbst aber ihre Säure ausspielen darf. Der Boden ist nur die Basis und trägt den ganzen Kuchen. Durch den hohen Zuckeranteil karamellisieren die Streusel beim Backen außerdem nochmal stärker und werden noch knuspriger als normale Streusel. Das Verhältnis des Teigs verschiebt sich so. Es liegen mehr Streusel auf dem Blech als Hefeteig auf dem Blech.

Die richtigen Zwetschgen für den Zwetschgenkuchen mit Hefeteig
Die verwendeten Zwetschgen für meinen Zwetschgenkuchen sollten natürlich reif sein, aber möglichst noch fest. Dunkelblau bis violett und nur auf leichten Druck etwas nachgebend. Dann sind sie perfekt. Sie müssen auch nicht sonderlich süß sein, dann sind sie zum Backen perfekt. Ich wasche sie, halbiere und entsteine sie und schneide sie sonst nicht weiter ein.
Ich gebe klassisch 1,5 kg Pflaumen an – die bekommt man praktischerweise in so kleinen Körbchen, wenn man nicht selbst einen Baum im Garten hat. Ich liebe es aber auch den Hefeteig mit hoch aufgestellten Zwetschgenhälften zu überfluten, dann sind es auch gerne mal 1,7-2 kg Zwetschgen, die auf ein solches Blech passen. Wenn ihr also etwas mehr Zwetschgen habt, umso besser!
So gelingt der Hefeteig für den Boden
Ich verwende hier Weizenmehl Type 550, normales 405er-Mehl funktioniert aber auch. Und ich mache es mir ganz einfach und stelle keinen Vorteig her. Ja, ich bin Fan von frischer Hefe, verwendet sie gerne, wenn ihr sie da habt. Ich rühre hier aber am liebsten ein Päckchen Trockenhefe direkt mit allen anderen Zutaten an. Der Teig wird schön glatt verknetet und darf dann etwa 1 Stunde gehen, bis er sein Volumen verdoppelt hat. Währenddessen bereite ich die Streusel vor und mache die Zwetschgen fertig.
Nach dem Gehen kommt der Hefeteig direkt aufs Blech und ich rolle ihn mit einem kleinen Teigroller aus. Ihr könnt ihn auch mit den Händen in Form drücken und ziehen. Wundert euch nicht, der Teig ist eher dünn, aber genau das möchte ich hier. Der Hefeteig ist nur eine angenehme, weiche und lockere Basis für die frischen Zwetschgen und die wunderbaren Streusel! Ich lasse den Teig auch vor dem Backen nicht nochmal gehen, sondern schiebe ihn direkt in den Ofen. Früher habe ich immer noch gewartet, konnte aber wirklich keinen Unterschied feststellen und kann sagen: den Schritt könnt ihr euch wirklich sparen.
Falls ihr Lust auf einen schnelleren Pflaumenkuchen habt, findet ihr bei mir auch das Rezept für einen Pflaumenkuchen mit einfachem Rührteig-Boden.

Tipps aus meiner Küche für den Zwetschgenkuchen mit Hefeteig
- Setzt die Streusel direkt nach dem Hefeteig an. Ich bereite sie ganz zügig zu, am liebsten im Thermomix. Auch ein Knethaken vom Handrührgerät funktioniert oder ihr zerreibt einfach alles schnell und mit möglichst kalten Händen. Stellt den Streuselteig dann unbedingt nochmal in den Kühlschrank.
- Bereitet die Zwetschgen auch wirklich vor, während der Hefeteig geht. 1,5-2 kg zu halbieren und zu entsteinen dauert länger, als man denkt. Gerade wenn der Stein noch sehr fest hängt. Ich bin damit immer eine gute Weile beschäftigt.
- Lasst den Kuchen auf dem Blech auf einem Kuchengitter vollständig abkühlen. Wenn ihr ihn noch warm oder generell zu früh anschneidet, wirkt der Boden noch zu weich. Er gart beim Abkühlen nämlich nach und wird genau richtig.

Häufige Fragen zum Zwetschgenkuchen mit Hefeteig
Weicht der Boden bei einem Zwetschgenkuchen nicht durch?
Nein, bei diesem Rezept braucht der Boden weder Semmelbrösel noch gemahlene Mandeln. Das ist grundsätzlich ein super Trick. Hier verwende ich aber feste Zwetschgen und weil kein Zucker auf die Zwetschgen kommt und die Streusel darüber knusprig karamellisieren, trifft weniger Saft aus. Der dünne, aber stabile Hefeteigt fängt die Fruchtmenge von allein auf.
Die Empfehlung etwas wie Brösel, Grieß oder gemahlene Nüsse auf den Teig zu streuen, steht bei unheimlich vielen Zwetschgenkuchen-Rezepten. Je nach Rezept gibt es dazu sicher eine Berechtigung. Hier ist sie einfach nicht nötig und ehrlich gesagt, mag ich diese zusätzliche Schicht weder geschmacklich noch von der Konsistenz. Wichtig ist eben nur, dass ihr längliche und feste Zwetschgen verwendet, keine runden Pflaumen, die deutlich mehr Flüssigkeit verlieren.
Wie bewahrt man den Zwetschgenkuchen auf? Kann man Zwetschgenkuchen einfrieren?
Ja, der fertig gebackene Kuchen lässt sich problemlos einfrieren. Ich teile ihn dafür in Stücke und vakuumiere diese ein. So bleibt er lange haltbar und besser in Form.
Bei einem Blech mit 20 Stücken ist selten alles am ersten Tag weg, wenn ich den Kuchen nicht gerade für ein Event backe. Gut abgedeckt lasse ich das Blech aber immer 1-2 Tage stehen, er wird gefühlt von Tag zu Tag besser, aber auch etwas weicher. Tiefgefrorenen nehme ich ihn dann einfach aus der Folie, setze ihn auf Küchenpapier und lasse ihn bei Raumtemperatur auftauen. Das klappt immer! Wer mag, kann die Stücke dann auch nochmal ein paar Minuten im Backofen oder Airfryer aufbacken!
Kann man statt Zwetschgen auch normale Pflaumen nehmen?
Davon rate ich hier hab. Klassische runde Pflaumen sind deutlich weicher und enthalten mehr Wasser – genau das macht den Boden matschig. Ich habe es selbst schon mal ausprobiert und war mit dem Ergebnis nicht zufrieden.
Längliche, violette Zwetschgen, die sich noch fest anfühlen, sind hier die bessere Wahl. Sie geben weniger Saft ab und genau das macht hier bei dem dünnen Boden den entscheidenen Unterschied.
Noch mehr Pflaumen- und Zwetschgen-Rezepte findet ihr in meiner Rezeptsammlung für meine liebsten Rezepte für die Zwetschgenzeit!

Zwetschgenkuchen mit Hefeteig und Zimt-Streuseln
Zutaten
Für den Hefeteig:
- 375 g Weizenmehl Type 550 oder Type 405
- 50 g Zucker
- 1 Pk. Trockenhefe 7 g
- 1 Prise Salz
- 175 ml Milch lauwarm, Handtemperatur, ggf. 1 Schluck mehr
- 1 Ei Größe M
- 60 g sehr weiche oder zerlassene Butter
- Butter zum Einfetten des Blechs
Für die Streusel:
- 300 g Weizenmehl Type 405
- 250 g Zucker
- 1 Pk. Vanillezucker
- 1 TL gemahlener Zimt
- 200 g kalte Butter in Stückchen
Für den Belag:
- 1,5 kg Zwetschgen 1,7-2 kg für einen üppigeren Belag
Zubereitung
- Für den Hefeteig Mehl, Zucker, Trockenhefe und Salz in einer großen Schüssel mischen. Warme Milch, Ei und weiche Butter zugeben und alles zu einem glatten Teig verkneten. Das funktioniert am besten in einer Küchenmaschine oder mit den Knethaken des Handrührgeräts.
- Den Teig abgedeckt an einem warmen Ort etwa 1 Stunde gehen lassen, bis er sein Volumen verdoppelt hat.
- In der Zwischenzeit für die Streusel Mehl, Zucker, Vanillezucker und Zimt mischen. Die kalte Butter in Stückchen zugeben und alles zügig zu groben Streuseln verkneten. Das geht entweder rasch mit kalten Händen oder in einer Küchenmaschine oder in einem Mixer. Teig luftdicht abdecken und bis zur Verwendung in den Kühlschrank stellen.
- Während der Hefeteig aufgeht und die Streusel durchkühlen, die Zwetschgen waschen, halbieren und entsteinen.
- Das Backblech fetten. Den aufgegangenen Hefeteig direkt darauf dünn ausrollen oder mit den Händen bis in die Ecken ausziehen.
- Die Zwetschgenhälften dicht nebeneinander auf dem Teig verteilen. Ich stelle sie am liebsten leicht versetzt und hochkant nebeneinander.

- Die Streusel nun gleichmäßig darüber streuen.

- Den Kuchen auf der mittleren Schiene bei 180 °C Ober- und Unterhitze etwa 40-45 Minuten backen.
- Den Kuchen auf dem Blech auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen, dann erst in Stücke schneiden.

Hinweise
- Der Kuchen lässt sich abgekühlt und in Stücke geschnitten wunderbar einfrieren. Einfach bei Raumtemperatur auftauen lassen und nach Belieben im Ofen oder Aifryer kurz aufwärmen.
- Der Kuchen schmeckt leicht lauwarm oder ausgekühlt am besten. Dazu passt mit Vanillezucker aufgeschlagene Schlagsahne oder auch Vanilleeis.
- 1,5 kg Zwetschgen sind das Minimum. Wer die Früchte eng aufstellt, bekommt bis zu 2 kg aufs Blech.
- Normale runde Pflaumen sind zu wasserhaltig und machen den Boden weich – unbedingt fest Zwetschgen für diesen Kuchen verwenden!

Weitere Pflaumen- und Zwetschgen-Kuchen bei mir im Blog







Keine Kommentare