Dies und Das

Jeden Tag ein Buch! Rezension zum Kochbuch „Deutschland vegetarisch“ von Stevan Paul (Brandstätter)

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Mein Kochbuchregal

Zugegeben: ich bin etwas voreingenommen. Ich kenne Stevan Paul seit etwas über einem Jahr und schätze ihn sehr. Er macht einen prima Job mit dem, was er eben so macht (zum Beispiel die Greenbox von Tim Mälzer*, er schreibt einen ganz wunderbaren Blog namens NutriCulinary und ist dazu noch ein unheimlich sympathischer Zeitgenosse mit dem ich gerne Zeit verbringe. Zum Beispiel beim Schlemmen auf Schloss Bensberg, bei seiner Buchpräsentation für diesen Titel Anfang Oktober, für die er selber am Herd stand oder zum wiederholten Mal auf der Frankfurter Buchmesse.

Und dann ist er ja auch noch Autor! Vor diesem Titel hat er bereits wunderbare Küchenschätze namens Monsieur, der Hummer und ich: Erzählungen vom Kochen* (auch als Taschenbuch* erhältlich) und Schlaraffenland: Ein Buch über die tröstliche Wirkung von warmem Milchreis, die Kunst, ein Linsengericht zu kochen und die Unwägbarkeiten der Liebe* herausgebracht. Dazu schreibt er regelmäßig für das Magazin Effilee und hat auch dafür bereits ein Kochbuch veröffentlicht.
Man kann sagen, dass Herr Paulsen ein erfahrener Autor ist. Und das merkt man dem Buch auch an.

Katharina Seiser ihrerseits kenne ich (noch) nicht persönlich. Auch sie führt einen bekannten Blog namens esskultur und hat den Schwestertitel von Deutschland vegetarisch, nämlich Österreich vegetarisch* bereits im September 2012 veröffentlicht. Und der Titel lief wohl so gut, dass man ihn auch dringend für Deutschland brauchte. So schnappte sich Katharina Seiser Stevan Paul und was die beiden innerhalb von kürzester Zeit auf die Beine stellten, halte ich nun in meinen Händen. Und ich bin begeistert davon.

Deutschland vegetarisch, Stefan Paul, Katharina Seiser, Christian Brandstätter Verlag, Wien

Copyright: Brandstätter Verlag

Deutschland vegetarisch*
von Stevan Paul und Katharina Seiser (Hg.)
aus dem Christian Brandstätter Verlag

Deutschland vegetarisch – das scheint im Land der Sonntagsbraten, Schnitzel und Frikadellen zunächst komisch klingen. Was bleibt da denn noch, mag so mancher denken.
Und ich sage: Einmal das Buch aufschlagen und durchblättern und man schwebt im absoluten Vegetarierhimmel!

Hier geht es nicht darum auf Tofu zurückzugreifen, um das Stück Fleisch auf dem Teller zu ersetzen. Hier geht es um gute, herzhafte und deftige deutsche Küche, bei der das Gemüse nicht nur der Beilage dient.
Vegetarisch bedeutet auch nicht unbedingt „leicht“ – ganz im Gegenteil. Für Veganer ist das Buch nur bedingt geeignet, weil viele Milchprodukte und auch Eier häufig Verwendung in den Rezepten finden.
Jemand sagte mal, ich zitiere frei: „Deutschland vegetarisch ist wie eine Arschbombe ins Sahnebecken“. Und das ist gut so.

Beide Autoren sind übrigens keine Vegetarier. Mehr so Flexitarier, wie ich auch. Neudeutsch für: Ich esse zwar grundsätzlich und ab und zu mal gerne gutes Fleisch, koche aber auch genauso gerne und häufig rein vegetarisch.
Ich persönlich finde das für ein vegetarisches Kochbuch vollkommen in Ordnung. Hier geht es ja nicht darum jemandem einen Ernährungsstil aufzuzwängen oder sich asketisch von Fallobst zu ernähren – es geht um die Wiederentdeckung all der teilweise verloren gegangenen Kindheitserinnerungen und Küchenschätze. Bevor der Wirtschaftswunderboom in Deutschland einsetzte, war Fleisch ein typisches Sonntagsessen. Es gab sie also schon, all die guten alten vegetarischen Gerichte. In der heutigen Zeit hingegen ist Fleisch zur Massenware geworden und zu absoluten Spottpreisen in jedem Discounter erhältlich. Beinahe täglich liest man von Gammelfleischskandalen, Tierelend, Umweltverschmutzung und Wasserverschwendung für die Fleischproduktion. All das ist für mich Grund genug weitgehend auf Fleisch zu verzichten und den Konsum auf hochwertiges, vom Metzger oder Fleischhändler meines Vertrauens bezogenes Fleisch zu beschränken. Ich brauche keine tagtägliche Leberwurststulle oder Speckwürfel im Auflauf – es gibt genug Alternativen, die mindestens genauso gut – wenn nicht sogar besser – schmecken. Ich bin deswegen immer auf der Suche nach guten, schmackhaften und dabei vegetarischen Gerichten für meine tägliche Küche, die ohne irgendwelche Fleischersatzprodukte auskommen.

Das nur zu meiner Einstellung und meinem Einstieg zu diesem Kochbuch.

Vegetarisches Kochbuch von Stevan Paul und Katharina Seiser

Das Buch ist zunächst kleiner als erwartet, wenn man es in der Hand hält. Zumindest ging es mir so.  Mit 19 x 24 cm ist es stattdessen sogar ausgesprochen handlich. Klein und kompakt. Die Ausgabe ist gebunden, ohne Schutzumschlag oder Wattierung (beides in meinen Augen überflüssig), stattdessen mit Leinenrücken und Prägung des Titels im Cover. Insgesamt wirkt das Buch dadurch sehr wertig, bodenständig und schlicht. Passend zum Inhalt. Schriftbild und Layout sind ebenfalls schlicht und schnörkellos gehalten. Klassisch, simpel, sehr gut lesbar. Das einzige, was etwas verspielter ist, sind die Aufmacherseiten zu den einzelnen Kapiteln und die Bezeichnung der Rezepte auf manchen Fotos.

Ebenfalls erwähnenswert ist, dass das Buch gleich drei Lesebändchen beinhaltet. DREI! Wie schade ich es häufig finde, dass ein hochwertiges Buch kein einziges Band enthält, bietet dieses hier gleich drei davon. Wunderbar!
Was mir besonders gut gefällt und was mir in anderen Büchern in dieser Form noch nicht so speziell aufgefallen ist, versteckt sich auf der letzten Seite im Impressum: Anstatt wie die meisten Verlage in Asien zu produzieren, hat Brandstätter, ein österreichischer Verlag, dieses Buch auch in Österreich gedruckt. Das Buch wurde außerdem auf FSC-zertifiziertem Papier und schadstoffarm hergestellt. Das finde ich absolut großartig. Der Verlag setzt sich intensiv für Nachhaltigkeit ein. Das Papier stammt aus entsprechend nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und für den Druck wurden ausschließlich reine Pflanzenölfarben verwendet. Dafür bin ich gerne bereit ein paar Euro mehr auszugeben. Und es passt hervorragend zum vegetarischen Grundgedanken.

Nach einem kurzen Grußwort von Paul und Seiser folgt das ausgesprochen umfangreiche Inhaltsverzeichnis. Das Buch selber ist in 5 Jahreszeiten eingeteilt. Und nein, liebe Rheinländer – es geht nicht um den Karneval. Stattdessen gliedert sich Deutschland vegetarisch in Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Jederzeit. Jedes Kapitel ist dann noch mal in die vier Kategorien Vorspeisen, Hauptspeisen, Süße Hauptspeisen sowie Nachspeisen aufgeteilt. Alle enthaltenen Rezepte sind bereits übersichtlich auf zwei Seiten Inhalt dargestellt. Das finde ich ungemein praktisch! Dazu gibt es außerdem noch ein 8-seitiges, unheimlich umfassendes Register, das man auch nach Zutaten durchsuchen kann.

Die Rezepte sind wie bereits erwähnt jahreszeitlich aufgeteilt, so dass man auch dem nachhaltigen saisonalen und regionalen Grundgedanken einen Platz einräumt. Sie sind immer gleich aufgebaut: Nach dem Titel folgt ein kurzer Einführungstext über die Herkunft oder Entstehung des jeweiligen Gerichts. Darunter steht die Zutatenliste, in chronologischer Reihenfolge der Verwendung im Rezepttext. Daneben ist dann die Zubereitung zu sehen – sauber gegliedert in die einzelnen Arbeitsschritte. Oft folgen daraufhin noch Varianten oder Beilagenalternativen, ein besonderer Tipp und zum Schluss ein Hinweis auf die passenden Getränke. Hier geht es auch nicht ausschließlich um alkoholische Begleitung, auch Apfelsaft oder Malzbier finden ihren Platz.

Die Foodfotografie trifft absolut meinen Geschmack. Sie stammt von Kramp + Gölling aus Hamburg und verdient ganz besondere Erwähnung! Die Fotos sind unglaublich schön. Ohne viel Schnickschnack wurden die Gerichte liebevoll in Szene gesetzt. Wenige Requisiten, schlichtes Geschirr und dezente Arrangements hauchen dem Text damit Leben ein und machen das Buch zu dem, was es ausstrahlt: Heimeligkeit und Gemütlichkeit. Familienabende am rustikalen Holztisch. Gemeinsames Zusammensitzen und Genießen. Sich Zeit für etwas Gutes nehmen. Bodenständigkeit. Oder auf neudeutsch: Soulfood.
Einziges Manko: Nicht zu jedem Rezept gibt es auch ein passendes Foto. Das ist etwas schade, aber verschmerzbar.

Die Rezepte stammen aus allen deutschen Regionen oder sind bekannte Klassiker – von der Frankfurter Grünen Sauce mit Pellkartoffeln und Ei, Kirschenmichel oder einem vegetarischen Labskaus, über Pfannkuchen mit Apfel-Birnen-Kompott, Gebratene Schupfnudeln mit Kraut oder Blumenkohlrahmsuppe mit Leinöl bis hin zu Nord- und Süddeutschem Kartoffelsalat oder Kaltem Hund.
Gerichte, von denen man seit Jahren nicht mehr viel gehört hat, bekommen einen neuen Glanz und Anstrich, ohne ihre „Seele“ zu verlieren. Mit viel Herzblut und Recherche wurden hier ganz wunderbare, vielseitige und doch auch irgendwie altbekannte Rezepte zusammengetragen.

Das Rezept für den „Gebrühten Kohlsalat“ habe ich bereits nachgemacht, leicht modifiziert und hier veröffentlicht: GEBRÜHTER KOHLSALAT MIT ÄPFELN UND NÜSSEN NACH „DEUTSCHLAND VEGETARISCH“ VON STEVAN PAUL UND KATHARINA SEISER
Für dieses Rezept gibt es übrigens auch kein Foto in dem Buch. Ich glaube ich habe es aber doch ganz gut hinbekommen. Sogar mit Leinentuch und Zwiebelmuster-Teller…

Deutschland vegetarisch, Stevan Paul, Katharina Seiser, Brandstätter Verlag

Der Titel schafft gekonnt den Spagat zwischen Schlichtheit und Eleganz. Die Rezepte sind einfach und bodenständig. Man benötigt keine außergewöhnlichen oder nur schwer erhältlichen Zutaten. Die Zubereitung ist in der Regel simpel und schnell. Die Anleitungen dafür stimmig und gut nachvollziehbar. Und dennoch wirken die Gerichte weder langweilig noch bieder. Für mich suggeriert das Buch damit Kindheitserinnerungen und Heimatküche 2.0.

Von mir bekommt Deutschland vegetarisch eine absolut uneingeschränkte Kaufempfehlung. Ein absolutes Lieblingsbuch! Eine Vielzahl von großartigen Rezepten. Die gelben Klebezettelchen, die ich verwende um die Rezepte zu kennzeichnen, die ich nachkochen möchte, überwiegen. Es wäre einfacher, zu markieren, was mich nicht wirklich interessiert. Und das sind in der Regel nur Rote Bete und Pilze…
Ich bin schlicht und einfach begeistert und kann diesem Titel nur jedem ans Herz legen – egal ob Vegetarier oder nicht. Jeder Hobbykoch, jede Familie, jeder Kochanfänger dürfte bei diesem Buch voll und ganz auf seine Kosten kommen. Eine wunderbare Geschenkidee – nicht nur zu Weihnachten.

Der Preis von 34,90 € ist zwar tatsächlich etwas teurer als für andere Bücher des gleichen Umfangs – man bekommt dafür jedoch eine geballte Ladung an Kindheitserinnerungen, ein Grundkochbuch und ein wahres Standardwerk. Dazu eine absolut hochwertige und nachhaltige Verarbeitung. Ein Buch, an dem man jahrelang Freude haben wird.

Stevan Paul, Katharina Seiser (Hg.)
Deutschland vegetarisch*
Christian Brandstätter Verlag, Wien, 2013
ISBN: 978-3-85033-739-7
34,90 €
272 Seiten, 19 x 24 cm, Gebunden mit Halbleinen

 

Das Buch wurde mir für meine Rezension freundlicherweise vom
Brandstätter Verlag unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
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5 Kommentare

  • Antworten
    Dani
    16. November 2013 um 16:06

    Vielen Dank, Maja! Nachdem ich nach anfänglichen Bedenken (zu deftig / schwer) gestern schon zufällig über das Buch gestolpert bin und positiv überrascht war, hat mich dein Post hier jetzt noch mehr bestärkt. Wandert definitiv auf die Wunschliste – und das mag was heißen, bei Kochbüchern bin ich mittlerweile nämlich sehr wählerisch geworden (irgendwie muss man den Bücherwahnsinn ja versuchen einzudämmen 😉 )
    Liebe Grüße, Dani

    • Antworten
      Maja
      17. November 2013 um 18:37

      Vielen Dank für dein Feedback – das freut mich sehr! Es lohnt sich wirklich, auch wenn es teilweise wirklich deftig ist 🙂

  • Antworten
    Anonym
    17. November 2013 um 17:02

    Was bedeuten denn die Sterne hinter den Buchtiteln? Konnte keine Erklärung finden 🙂 lg, Annett

    • Antworten
      Maja
      17. November 2013 um 18:39

      Hallo Annett – früher hab ich es immer mit in den Post geschrieben, jetzt findet sich die Erklärung im Impressum: Ein Link, der mit einem Sternchen versehen ist, führt zum Affiliate-Programm von Amazon. Ich ändere das lieber mal wieder um, wenn es zu schwer zu finden ist.
      Viele Grüße,
      Maja

  • Antworten
    CHEESECAKE mit Apfel-Zimt-Streuseln á la Maja – Dinchen´s World – Foodblog
    17. Februar 2016 um 15:27

    […] Klasse und natürlich durfte sie hier nicht fehlen. Was ich auch total klasse finde ist die Aktion „Jeden Tag ein Buch“ auf Ihrem Blog, bei der Maja ausgewählte Kochbuch-Perlen vorstellt. Ne tolle Idee! Müsst ihr […]

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