Unterwegs

Irland – Tag 4: Von der Milchfarm bis zum irischen Cheddar im County Cork

Irland-Rundreise mit Kerrygold, Bord Bia und Tourism Ireland: Von der Milchfarm im County Cork bis in die Cheddar-Fabrik

JJ begrüßt und mit einem festen Händedruck. Sein Lächeln ist nett, seine Augen strahlen und seinem Gesicht sieht man die Arbeit im Freien an. Die frische Seeluft färbt seine Wangen rot. Im Kontrast dazu steht seine Arbeitsaufmachung: Im Blaumann und mit riesigen Gummistiefeln stapft er uns über seinen Hof entgegen und ruft Come over!. Stolz präsentiert er seine 70 Milchkühe, die gerade zum morgendlichen Melken angetreten sind. JJ, eigentlich John Joe, ist einer von tausenden kleinen Milchfarmern in Irland, die für Kerrygold arbeiten. Seine Kühe sind ausgeglichene, freundliche Tiere. Zweimal am Tag holen er und sein Sohn sie von der Weide auf den Melkstand – den Rest der Zeit können sich die Tiere frei bewegen. Im Vergleich zu den sonstigen Hochleistungskühen in der Milchindustrie geben JJs Tiere nur etwa 25-27 Liter Milch pro Tag. Andere Bauern melken deswegen sogar nur einmal täglich. Die Kühe von JJ kommen jedoch von sich aus zum Melkstand, bevor sie wieder gemächlich den Berg hinauf marschieren.

Irland-Rundreise mit Kerrygold, Bord Bia und Tourism Ireland: Von der Milchfarm im County Cork bis in die Cheddar-Fabrik

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Die 45 Hektar großen Kuhweiden oberhalb der Dairy Farm sind saftig grün, weitläufig und werden von Steinmauern gesäumt. Zwar entfernen viele Farmer diese Mauern wieder, weil sie zu viel Arbeit bedeuten, doch sie bieten einen natürlichen Schutz für die Kühe bei Wind und Wetter und bleiben bei den O’Sullivans deswegen stehen, erklärt uns Andrew, JJs Sohn. Die anderen vier Kinder leben verstreut in Kanada, London oder Dublin. Andrew hilft gerade im Frühling zur Hochsaison auf der Farm mit, sonst lebt er als technischer Architekt in Cork, etwa eine Stunde von der Farm seiner Familie entfernt.

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Nachdem wir die Kühe nach dem ersten Melken wieder auf die weiten Wiesen begleitet haben, erklärt uns JJ die typisch irische Weidehaltung und zeigt uns stolz das Ringfort, Ráth oder auch Erdwerk genannte kreisrunde Stück Wiese mit Graben, das aus der Eisenzeit stammt und oben auf seinem Land thront. Ein altes weißes Pony lebt dort und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, dass es sich um ein Einhorn handelt, so mystisch wirkt der Ort.

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Auf einer Karte zeigt uns JJ sein ausgeklügeltes Weidesystem mit zahlreichen Parzellen. Im ständigen Wechsel grasen die Kühe hier die Bereiche ab. So bleibt die Grasnarbe intakt, die Wiesen wachsen schneller nach und matschige Bereiche werden vermieden. Dank des Einflusses des Golfstroms, konstanten Temperaturen ohne viel Hitze und Frost und der vielen Niederschläge wächst das Gras hier fast das ganze Jahr über. Je nach Wetter, Anzahl der Tiere und Saison wählt JJ die richtige Weide zum Abgrasen. So können seine Kühe über 300 Tage im Jahr auf der Weide stehen uns sich zu 90% von frischem Gras ernähren.

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Nach einigen Stunden an der frischen Luft lädt uns JJs Frau Theresa in die Küche des Bauernhauses ein. Sie hat sich extra für unseren Besuch den Tag freigenommen und uns frische Scones und typisch irisches braunes Brot gebacken. Dazu gibt es natürlich Butter, Käse und Milch von den eigenen Kühen im frisch aufgebrühten Tee. Wir sitzen in der Küche, stärken uns nach dem Aufenthalt im frischen Meereswind auf und probieren JJs selbst gemachten Honig. Die Imkerei hat er als Hobby für sich entdeckt und produziert klaren, goldgelben Honig für die Familie. Die Bienenstöcke stehen im Obstgarten und gerade lieben die Bienen die frischen Apfelblüten und die blühenden Ginsterbüsche.

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Im Eingangsbereich des Bauernhauses hängt eine Auszeichnung. In einer feierlichen Zeremonie haben die O’Sullivans im letzten Jahr den Origin Green Sustainable Producer Award 2016 gewonnen. Origin Green ist eine Nachhaltigkeitsinitiative vom Bord Bia Irish Food Bord. Die Mission der Kampagne ist in erster Linie die natürlichen Ressourcen des Landes zu schützen und die Umweltbelastung zu verringern und gleicht somit einem Nachhaltigskeits-Siegel.

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Nächste Station: Der nächste JJ begrüßt uns mit einem festen Händedruck. Zu seinem mitternachtsblauen Anzug trägt er elegante Slipper. Stolz zeigt er uns als Sales & Marketing Manager für Käse die Carbery Fabrik in Ballineen. Hier landet die Milch der Bauern aus der Region. So entsteht direkt vor Ort beispielsweise der irische Cheddar für Kerrygold.

Nach zahlreichen Handwäschen, Haarnetzen, Kitteln und mit klobigen Schuhen an den Füßen, dürfen wir die Produktion betreten. Hier wird die täglich frisch angelieferte Milch in einem aufwendigen Verfahren zu Käse weiterverarbeitet. Cheddar besteht zum Beispiel nicht aus einer glatten Masse, sondern aus einzelnen weichen Käsestücken, Curds, die sich erst durch das Zusammenpressen und anschließende Reifen zu einem festen Käseblock verbinden. Durch die Grasfütterung bekommt der irische Käse genau wie die Butter die typisch gelbe Farbe und die cremige Konsistenz.

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Rory ist Cheese Grader für Kerrygold. Ich verstehe zuerst Cheese Grater und bin kurz irritiert: Reibt er den Cheddar in der Fabrik? Doch tatsächlich ist ein Cheese Grader ein wichtiger Part in der Käseherstellung. Er überprüft von jeder Charge den Reifegrad, bewertet Geruch, Geschmack, Aussehen und Festigkeit. Dazu reist er durch das ganze Land von Fabrik zu Fabrik und überprüft den Käse im Auftrag von Kerrygold, indem er mit einem eigenen Werkzeug ein Stück Käse aus der Mitte heraussticht. Was für ein Traum-Job! Begeistert erklärt Rory uns die Besonderheit von irischem Käse, die vor allem in der Verwendung der Weidemilch und der langen Reifung besteht.

Irland-Rundreise mit Kerrygold, Bord Bia und Tourism Ireland: Von der Milchfarm im County Cork bis in die Cheddar-Fabrik

Nach unserem Besuch überreicht uns JJ noch eine Tüte mit zahlreichen Käsespezialitäten aus der Region, die hier bei Carbery hergestellt werden. Mit ganz anderen Augen betrachte ich jetzt den gereiften Cheddar, prüfe ihn nach Rorys Erklärungen und bin begeistert von dem nachhaltigen und transparenten Prozess der Milchproduktion bis zur Fertigung des traditionellen Käses. Ob in meinem Stück Käse wohl auch die Milch von JJs Kühen gelandet ist?

Alle Artikel meiner Irland-Rundreise:
IRLAND – TAG 1: FLUG NACH DUBLIN UND FAHRT NACH CORK
IRLAND – TAG 2: ENGLISH MARKET UND BALLYMALOE COOKERY SCHOOL IN CORK
IRLAND – TAG 3: IM BULMAN PUB IN KINSALE UND AUF DER RINDERFARM IN OLD HEAD
IRLAND – TAG 4: VON DER MILCHFARM BIS ZUM IRISCHEN CHEDDAR IM COUNTY CORK
IRLAND – TAG 5: VON LIMERICK UND ADARE BIS ZU DEN CLIFFS OF MOHER

Offenlegung: Zu der Rundreise durch Irland wurde ich von Kerrygold, Bord Bia und Tourism Ireland eingeladen. Die Erfahrungen und Erlebnisse sind meine eigenen Eindrücke.

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4 Kommentare

  • Antworten
    Simone
    30. April 2017 um 16:45

    Wow das klingt super interessant. Wir machen auch bald eine Dublin-Reise … ich klick mich dann mal noch durch die anderen Teile ♡
    Liebste Grüße
    Simone

    • Antworten
      Maja
      1. Mai 2017 um 16:16

      Oh wie schön, Simone! Ganz viel Spaß in Irland und noch viel Spaß beim Lesen 🙂
      Viele Grüße
      Maja

  • Antworten
    Sandra Fuhrmann
    6. Mai 2017 um 9:49

    Schade, mich hätte in der Milchverarbeitung der Umgang mit den Kälbern sehr interessiert. Wann werden sie von den Müttern getrennt und wie wachsen sie auf? Mittlerweile gibt es in Deutschland auch Höfe, die die Kälber erst mit drei, vier Monaten von den Müttern trennen und in dieser Zeit bewusst auf Milchmenge verzichten. Diese Höfe berichten von auch davon, dass die heranwachsenden Kühe wesentlich gesünder sind, weil sie direkt und länger Muttermilch getrunken haben und den Kontakt zur Mutter hatten, mit allem was an sozialem dazu gehört.

    • Antworten
      Maja
      7. Mai 2017 um 16:54

      Das ist eine super Frage, Sandra! Das werde ich gerne noch klären 🙂

      Viele Grüße
      Maja

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