Herzhaft

Lauwarmer Rosenkohlsalat mit knuspriger Chorizo und gerösteten Mandeln – oder: Wie der Rosenkohl mich bezwang

Als ich den Salat beim Durchblättern eines amerikanischen Magazins entdeckt habe, war es um mich geschehen. Rosenkohl als Salat? Damit kriegt man mich sofort. Zu meinen – wie ich finde – coolsten Rezepten gehört nämlich schon der rohe Rosenkohlsalat mit Äpfeln, Walnüssen und Pecorino. Damit kriegt man auch echte Rosenkohlhasser rum. Ein echtes Knallerrezept. Ein weiteres Wintersalatrezept ist natürlich der Rotkohlsalat mit Chorizo. Da sag noch mal jemand, dass man im Winter keinen Salat essen kann!
Die Kombination aus dem milden, sanft geschmorten Rosenkohl, knusprigen Chorizoscheiben und knackig gerösteten Mandeln ist grandios, soviel vorweg. Doch der Weg dahin ist steinig…

frischer Salat mit Rosenkohl, Chorizo und Mandeln auf einem Teller

Da sehe ich also das Bild von diesem hübsch arrangierten Salat auf einem zarten Tellerchen in diesem amerikanischen Hochglanzmagazin. Die Röschen werden dazu in ihre einzelnen Blätter geteilt und das sieht ganz zauberhaft aus. Was für eine Arbeit das macht stand nur leider nicht dabei und ließ sich auch nicht erahnen.

An dieser Stelle kann ich euch nur guten Gewissens raten: schneidet den Rosenkohl klein oder hobelt ihn einfach auf einer Küchenreibe. Das tut dem Geschmack sicher keinen Abbruch. Aber stellt euch um Himmels Willen nicht mit 750 g Rosenkohl in die Küche und zerteilt ihn in einzelne Blättchen. Tut es nicht!

Es fängt so harmlos an. Man schneidet den Strunk ab, entfernt die äußeren Blättchen, halbiert den kleinen Kohl und schält ihn dann Schicht für Schicht ab. Der erste Rosenkohl ist super. Eigentlich auch voll entspannend, so Gemüse zu schnippeln. In der Pfanne schmurgelt die Chorizo schon sanft vor sich hin und der Duft verteilt sich in der Küche.

Nächster Rosenkohl. Abschneiden, abzupfen, halbieren, zerlegen… Oh, die Chorizo ist fertig. Gefühlt müssen noch 537 kleine Rosenkohlköpfchen in ihre Blätter zerlegt werden.

Rosenkohl Nummer 3, ich werde langsam nervös. Muss die Chorizo echt aus der Pfanne nehmen, sonst wird sie hart, nicht knusprig.

Rosenkohl Nummer 4. Ich mache den Herd lieber noch mal aus. Das dauert hier wohl noch was.

Rosenkohl Nummer 5. Ich gucke auf die Uhr. In einer Stunde ist das Tageslicht weg, aber ich möchte doch noch Fotos vom Salat machen. Also lege ich mal lieber einen Zahn zu.

Rosenkohl Nummer 6. Das dauert so lange. Ob ich schnell umschwenke und den Salat doch einfach raspel? Aber ich will doch Vorbild sein und meinen Lesern echt was bieten. Und Blättchen sehen schon cool aus, geschredderten Salat hatte ich ja schon. Also durchhalten.

Rosenkohl Nummer 7. Ein erster Schweißtropfen rinnt mir den Nacken herab. Was hab ich mir nur dabei gedacht?

Rosenkohl Nummer 8. Mein Puls steigt an. Ist es wirklich schon so spät?

Rosenkohl Nummer 9. Der Mann kommt in die Küche und fragt, ob ich immer noch am Schnippeln bin. Ich werde rot und zische: Du kannst mir gerne helfen, das ist voll die beknackte Arbeit! Der Mann entscheidet sich freiwillig dafür lieber das Bett zu beziehen und verlässt zu seiner eigenen Sicherheit die Küche.

Ich widme mich Rosenkohl Nummer 10. Ich höre die Uhr ticken, atme tief durch. Es ist doch nur Rosenkohl. Das was ich mache ist doch Leidenschaft pur. Für den Genuss, für das Essen!

Rosenkohl Nummer 11. Ich gebe auf. Der Rosenkohl hat gewonnen. Ich bin sein Opfer, sein Diener. Stupide und gebrochen zerschneide und zerpflücke ich die restlichen Rosenkohlröschen. 35 Minuten später bin ich fertig. Ausgebrannt, ausgelaugt. Warum habe ich mir das nur angetan? Was ich alles in der Zeit hätte machen können!

ein Teller Rosenkohlsalat mit Chorizo und Mandeln

Aus diesem Grund rate ich euch dringend: macht den Rosenkohl einfach nur fertig, bevor er euch fertig macht! Zerhackt ihn, zerschreddert ihn, wie auch immer. Er wird schmecken. Tut euch das Zerpflücken wirklich nur an, wenn ihr schon alle Küchenschränke ausgewischt habt, joggen wart und alles andere getan habt, was euch von eurer Diplomarbeit oder anderen wichtigen Verpflichtungen abhält. Oder wenn ihr zu den Hardcoreschnipplern gehört, die beim huldvollen Zerteilen von zickigem Gemüse „total gut entspannen“ können. Ansonsten – lasst es einfach. Ein gut gemeinter Rat von einer leidgeplagten Rosenkohl-in-einzelne-Blättchen-Zupferin.

Salat mit Rosenkohl, Chorizo und Mandeln auf einer Platte

Der Salat ist ansonsten wirklich der Hammer – also überspringt den oberen Teil einfach und widmet euch diesem köstlichen Gericht. Die Zubereitung ist nicht schwer und das Ergebnis kann sich prima als Lunch oder Vorspeise sehen lassen. Lauwarm schmeckt er tatsächlich am Besten, man sollte ihn also sofort genießen.

ein Teller lauwarmer Salat mit Rosenkohl, Mandeln und Chorizo

Rosenkohlsalat mit knuspriger Chorizo und gerösteten Mandeln

für etwa 2-4 Portionen, je nach Hunger

Zutaten

750 g Rosenkohl
50 g Mandeln mit Haut
175 g Chorizo
3 El Olivenöl
2 Zweige Thymian
2 Knoblauchzehen
1 El Balsamico bianco oder Weißweinessig
Meersalz, frisch gemahelner schwarzer Pfeffer

Zubereitung

Den Strunk von den Rosenkohlröschen abschneiden und die äußeren Blättchen entfernen. Den Rosenkohl in feine Streifen schneiden oder hobeln (siehe Erfahrungsbericht oben…).

Die Mandelkerne in einen kleinen Topf ohne Fett geben und bei mittlerer Hitze auf dem Herd goldbraun rösten, bis sie duften. Zur Seite stellen, etwas auskühlen lassen und grob hacken.

Die Chorizo pellen und in sehr feine Scheiben schneiden.
Eine große Pfanne auf mittlere Hitze erwärmen und die Chorizoscheiben hineingeben. Etwa 5-7 Minuten unter Rühren rösten, bis sie leicht gebräunt und knusprig sind. Danach aus der Pfanne nehmen und auf Küchenpapier etwas abtropfen lassen. Das restliche ausgetretene Fett aus der Pfanne entfernen und die Pfanne mit Küchenpapier komplett trocken wischen.

Das Olivenöl in die saubere Pfanne geben und auf mittlere Temperatur erwärmen.
Die Thymianblättchen von den Stängeln zupfen, den Knoblauch schälen und fein hacken. Beides bei milder Hitze leicht anbraten.

Nach und nach etwas von dem Rosenkohl dazugeben und andünsten. Die fertigen Blätter immer zur Seite schieben und in die Mitte weiteren Rosenkohl geben, bis er komplett verarbeitet ist. Ggf. noch etwas Olivenöl dazugeben, falls die Pfanne zu trocken wird. Den Kohl insgesamt etwa 7-8 Minuten unter Rühren sanft weiterdünsten, bis er weich wird und leicht bräunt.

Danach vom Herd nehmen und den Essig unterrühren. Mit Meersalz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer abschmecken. Die Chorizo unter den Kohl mischen.

Den Rosenkohl auf Teller oder eine Servierplatte geben und mit den gehackten Mandeln bestreuen. Lauwarm servieren.

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14 Kommentare

  • Antworten
    puppenzimmer
    25. Februar 2015 um 8:33

    Vielleicht sollte ich das mal ausprobieren, um auch eine Liebe zum Rosenkohl zu entwickeln… Ohne Blättchen zupfen, natürlich 😀

  • Antworten
    Claudi
    25. Februar 2015 um 9:14

    Haha, ich musste gerade sehr herzlich lachen, weil ich mich an einen Sonntagmorgen erinnere, den wir mit Rosenkohl zupfen verbracht haben. Es gab nämlich nur kurz angeschmorrte Rosenkohlblätter. Sehr lecker, aber das war auch das einzigste Mal und wir sind uns sicher, dass wir das nie wieder machen! Also auch ich empfehle: nicht zupfen, lieber reiben 🙂

  • Antworten
    danielas foodblog
    25. Februar 2015 um 9:44

    ;o) sehr schön geschrieben! Ich hab Rosenkohl bislang nur im Ganzen oder halbiert gemacht. Der gezupfte Rosenkohl sieht superschön, aber auch nach wirklich viel Arbeit aus.
    Liebe Grüße,
    Daniela

  • Antworten
    elfilii
    25. Februar 2015 um 19:17

    Irre Kombination. Klingt, als würde ich das vor Ende des Winters noch kochen wollen. 🙂

  • Antworten
    Petra aka Cascabel
    25. Februar 2015 um 20:11

    Oh, das kenne ich! Hab hier – zuletzt für den Weihnachts-Vorspeisen-Salat – auch schon öfter entblättert. Mit der Zeit entwickelt man "seine" Technik 😉

  • Antworten
    Tonkabohne Sabine
    25. Februar 2015 um 20:59

    Liebe Maja,
    Ich bin ganz begeistert von Deinem tollen Salat 🙂
    Ich musste mal diese Arbeit 4 Stunden lang machen, die reinste Sklavenarbeit…
    Deine Idee mit dem Hobel finde ich klasse.
    Herzliche Grüße,
    Sabine

  • Antworten
    Christina
    26. Februar 2015 um 6:59

    Ich musste jetzt SEHR lachen! Gut geschrieben! Mein Highlight: "Macht den Rosenkohl einfach nur fertig, bevor er euch fertig macht!" 😀

    Danke!
    Christina

  • Antworten
    Carmen
    26. Februar 2015 um 10:18

    Hihi. Wie recht Du hast: Es sieht fein aus, aber ich hätte auch nicht die Geduld. Das Gericht liest sich sich äußerst lecker. So lecker, dass ich das glatt jetzt zum Mittag hätte…hm. Nur schwierig im Büro zu gestalten. Muss ich also auf's Wochenende verschieben.

  • Antworten
    Krisi
    26. Februar 2015 um 16:44

    Herrlich geschrieben…Rosenkohl gibt es bei mir auch nur ganz oder halbiert, hihi das wäre mir wirklich zu viel Arbeit;) Sieht aber super aus!
    Liebe Grüsse,
    Krisi

  • Antworten
    Seelenschmeichelei
    26. Februar 2015 um 17:19

    Eine wunderbare Geschichte, liebe Maja, ich habe herzhaft gelacht – und genickt.
    Weihnachten 2013 stand ich einen gefühlten Nachmittag in der Küche, um ein Kilo Rosenkohl in Blättchen zu zerpflücken. Irgendwann zog ich aufs Sofa um und guckte Drei Nüsse für Aschenbrödel dabei. Das Schlimmste war: Der Gatte und die restlichen Gäste honorierten meine Mühe so gar nicht – drei Viertel des Rosenkohls blieb übrig. Mindestens. In diesem Sinne: Mitfühlende Grüße
    Conny
    PS: Und jetzt mach ich das, was ich EIGENTLICH machen wollte: Nach deinem Burger-Bun-Rezept suchen. Das gibt´s nämlich am Samstag zu Pulled Pork.

  • Antworten
    Nadi
    26. Februar 2015 um 18:13

    hahaha, das ist ja köstlich. Aber ich habe mit Dir mitgelitten, das Erlebnis hatte ich nämlich im Januar auch. Bei mir war es aber noch schlimmer, im Rezept stand nämlich, dass man die Blätter roh essen soll. Und roher Rosenkohl ist ja schon eher so pfui bäh. Aber ich habe ihn so wie du besiegt, schau mal hier:
    http://ganz-einfache-kueche.blogspot.de/2015/01/veggie-day-rosenkohlsalat-mit.html

    viele Grüße
    Nadia

  • Antworten
    Jasmin Ra
    27. März 2015 um 23:03

    Schade, dass die Rosenkohlzeit sich dem Ende zuneigt. Sehr schade. Ich mag ihn, ich esse ihn gerne und häufig. Wobei ich zugeben muss, ich esse ihn immer alleine, weil meine bessere Hälfte viel leiden kann, aber Rosenkohl gehört leider so gar nicht dazu.

    Viele liebe Grüße,

    Jassy

  • Antworten
    Ginchen
    18. Februar 2016 um 10:41

    Liebe Maya
    Herrlich, wie du deinen Kampf mit den Rosenkohlröschen beschrieben hast. Nichtsdestotrotz habe ich mich – inspiriert von dem wunderbaren Bild – an die Arbeit gemacht. Nach Röschen Nummer 3 habe ich mal zeitlich überschlagen, wie lange es wohl dauern würde, alle Kügelchen zu zerlegen. Da nun weder Schreddern noch Hacken in Frage kam (mein Salat sollte schliesslich so schön aussehen wie deiner), suchte ich mit jedem Röschen eine ideale Technik, um mir die Arbeit zu erleichtern. Und siehe da: ich habe sie gefunden! Ich schneide mit einem spitzen Messer den kleinen Strunk keilförmig raus. Dann drücke ich mit beiden Daumen das Loch auseinander und lockere das Röschen. Es lässt sich dann ganz leicht auseinanderpflücken!

    Der Salat hat übrigens wunderbar geschmeckt. Die Arbeit lohnt sich wirklich 🙂

    Liebe Grüsse und vielen Dank für deine Rezepte
    Gina

    • Antworten
      Maja
      22. Februar 2016 um 15:47

      Vielen Dank für den tollen Tipp, liebe Gina! Das probiere ich unbedingt mal aus.
      In dem Moment hilfloser Verzweiflung bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, etwas anderes auszuprobieren.

      Viele Grüße
      Maja

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