Herzhaft

English Muffins von 1951 – ein wirklich altes Schätzchen

Dorothée von bushcooks kitchen ruft diesmal zum aktuellen Kochevent bei Zorra auf.
Wobei „aktuell“ von mir gerade sehr großzügig ausgelegt ist, befinde ich mich doch gerade mal wieder quasi in der letzten Sekunde der Abgabefrist. Das Event geht noch bis heute um Mitternacht…
Thema diesmal: Blog-Event LXXXII – Alte Schätzchen

Blog-Event LXXXII - Alte Schätzchen (Einsendeschluss 15. November 2012)

Das fällt mir ehrlichgesagt gar nicht so leicht.
In den letzten Jahren habe ich bei zwei Umzügen großzügig ausgemistet und mehrere hundert Kochbücher paketweise bei Ebay verhökert. Ich bin sonst eigentlich kein großer Fan von alten Schätzchen. Ausnahmen gibt es natürlich, keine Frage. Dazu gehören ganz liebgewonnene Bücher genau wie Familienerbstücke oder ältere Bücher, zu denen ich eine besondere Bindung habe.
Mein Anspruch an Kochbücher hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Ich habe zwar eine große Sammelleidenschaft, allerdings ist mir die Qualität wichtiger als die Quantität. Grabbeltisch-Kochbücher findet man bei mir nicht mehr, Massenmarktkochbücher ebenfalls nicht.
Ich habe meine Kochbuchsammlung deswegen in den letzten paar Jahren komplett umgemodelt und sammel nur noch namhafte und hochwertige Bücher. Der aktuelle Stand liegt deswegen bei plus/minus 250 Exemplaren. Davon sind wohl nicht mehr als 5 (!) Exemplare vor dem Jahr 2000 erschienen. Zur Erklärung muss ich sagen, dass die richtigen Schätze, klassische Grundkochbücher usw. aber auch bei meiner Mutter und Großmutter stehen.
Das was ich als „altes Schätzchen“ bezeichnen würde, kann ich aus meiner Sammlung genau an drei Fingern abzählen.

Kochen mit Jamie Oliver*“ hat mich vor mittlerweile 10 Jahren zum Kochen gebracht. Das erste „richtige“ Kochbuch, das ich mit 18 Jahren bekommen habe. Ein wuschelköpfiger junger Engländer, der dröge klassische Kochbücher  auf den Kopf stellte. Das Buch ist jetzt knapp 10 Jahre alt und die älteren von euch mögen darüber lachen. Für mich es aber DAS alte Schätzchen aus meiner Kochbuchsammlung.
Backvergnügen wie noch nie*“ – ein klobiges braunes und eher unansehnliches Backbuch, erstmals erschienen 1978. Ich habe die Ausgabe von 1987 von meiner Oma geerbt und finde bis heute beim Blättern immer wieder kleine Zettelchen von ihr, wenn sie etwas zu einem Rezept vermerkt hat. Meine Mutter hat das Buch auch in der Küche und ich kenne eigentlich kaum jemanden, der es nicht hat. Es war wohl DAS Backbuch der 80er-Jahre. Und es hatte Farbfotos, das war wohl besonders revolutionär. Ich gucke bis heute gerne in das Buch, weil es etliche Klassiker und Grundrezepte enthält, gleichzeitig aber auch eher moderne Sachen, die ich nicht in die 70er und 80er eingeordnet hätte.
A World of Good Eating – Recipes from around the World*” ist wohl das älteste Schätzchen in meiner Sammlung und ein Flohmarktfund. Es handelt sich um ein kleines vergilbtes Heftchen mit Spiralbindung. Laut Vorsatz ist das Buch aus dem Jahr 1951, so ganz klar ist aber nicht, ob es nur auf alt getrimmt ist oder wirklich aus diesem Jahr stammt. Eine Tante Anna hat das Büchlein „gewidmet zum fleißigen Gebrauch“ im Februar 1980 an irgendjemanden geschenkt. Jetzt wohnt das Büchlein bei mir. Es ist ganz niedlich illustriert und sieht aus wie handschriftlich geschrieben.
Im Vorsatz steht außerdem „A Collection of Old and New Recipes From Many Lands – Tested in the kitchen of a New England Housewife and Published for the Enjoyment of Many American Families“.  Gedruckt ist es in den USA, eine ISBN oder ähnliches gibt es aber natürlich nicht.
Nach dem sehr lieben Vorwort folgt eine Länderküche, die in „British Isles“, „China“, „France“, „Germany“, „Italy“, „Poland“, „Scandinavia“ und „America“. Im Teil mit den deutschen Rezepten finden sich zum Beispiel „Zitronen Brädchen“, „Pfeffernuise (Pepper Nuts“, „Schwabisches Fleisch“, „Apfel Strudel“ und „Rahmkuchen (cheese cake)“, letzterer mit „Zwieback crumbs“ und der Quark wurde auch schon durch cream cheese ersetzt.
Putzig ist wohl das richtige Wort für dieses Buch. Es enthält so viele schöne Klassiker und sieht einfach ganz entzückend aus. Deswegen habe ich mich auch für dieses alte Schätzchen entschieden.

das Buch "A World of Good Eating" von 1951

Bei der Rezeptauswahl hat man natürlich die Qual der Wahl, enthält das Büchlein so viele schöne Rezepte.
Ich habe mich letztendlich für einen echten Klassiker entschieden, der vor allem in den USA zu den Grundnahrungsmitteln gehört: English Muffins. Das Rezept findet sich natürlich bei den „British Isles“, stammen die Muffins wie der Name schon sagt doch ursprünglich von hier. English Muffins kann man vom Frühstück bis zum Abendbrot reichen und man findet sie in diversen Varianten in sämtlichen US-Supermärkten. Ein Klassiker ist zum Beispiel ein Egg Benedict.

das Originalrezept für English Muffins von 1951

Auch bei uns bekommt man diese Art von Brötchen. Hier heißen sie einfach schnöde „Toasties“ oder „Toastbrötchen“.
Das Besondere daran ist, dass sie nicht im Ofen, sondern in der Pfanne gebacken werden. Laut Büchlein wurden sie damals dann frisch und warm mit Butter und Marmelade oder Konfitüre serviert. Heutzutage würde man sie wohl noch mal in den Toaster stecken und knusprig auftoasten.
Angaben zur Anzahl oder Portionsgrößen gibt es nicht, genauso wusste ich nicht, wieviel „2 packages yeast“ 1951 waren. „6 cups flour“ (~ 750 g) kam mir auch etwas viel vor, so dass ich das Rezept halbiert habe. So bekommt man etwa 12-15 English Muffins heraus. Die gute New England Hausfrau hatte wohl viele Münder zu stopfen.
Allerdings kann man diese praktischen Toastbrötchen auch sehr gut einzeln einfrieren und sie schmecken nach dem Auftauen und Auftoasten wie frisch gebacken. Auf Vorrat zu produzieren lohnt sich also!
Im Originalrezept wird nur normales Weizenmehl verwendet, ich mag die gekaufte Vollkornvariante aber sehr gerne und habe deswegen einen kleinen Anteil Weizenvollkornmehl dazugegeben, was das ganze etwas kerniger macht.
Statt dem obligatorischen Shortening verwende ich außerdem die gute alte Butter.

English Muffins

(oder auch Toasties oder Toastbrötchen)

für etwa 12-15 Stück

1/2 Würfel frische Hefe (21 g)
125 ml handwarmes Wasser
125 ml Milch
2 El Zucker
1 Tl Salz
50 g Butter
250 g Mehl
150 g Vollkornmehl
Maismehl oder Polentagrieß zum Bestreuen

Ich übersetze hier mal sehr frei die originale Vorgehensweise des Rezepts:
Die Hefe im lauwarmen Wasser auflösen.
Die Milch vorsichtig erwärmen, Zucker, Salz und Butter dazugeben und so lange erhitzen, bis die Butter geschmolzen ist und sich der Zucker aufgelöst hat. Abkühlen lassen, bis die Mischung nur noch handwarm ist, dann die Hefe-Wassermischung dazugeben.
Die beiden Mehlsorten dazugeben und alles rasch zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Sollte der Teig zu trocken sein, einfach noch etwas Wasser unterkneten. Ist er zu feucht, einfach noch etwas Mehl hinzugeben.
Zu einer Kugel formen, in eine Schüssel legen und mit einem feuchten Küchentuch abdecken. Bei Raumtemperatur etwa 1 Stunde ruhen lassen, bis sich das Teigvolumen verdoppelt hat.
Danach den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben und flachdrücken. Zu etwa 1,5 cm Dicke ausrollen, dann mit einem großen Glas o.ä. Kreise von etwa 9 cm Durchmesser ausstechen.
Ein Backblech mit Backpapier auslegen und mit Maismehl bestreuen. Die ausgestochenen Muffins auf das Blech setzen, ebenfalls mit Maismehl bestreuen, mit einem sauberen trockenen Tuch abdecken und erneut etwa 1 Stunde gehen lassen.

der fertig ausgestochene Teig für die English Muffins kommt gleich in den Ofen

Eine schwere Pfanne oder gusseiserne Pfanne auf mittlere Temperatur erhitzen. Jeweils etwa 4 Teiglinge auf einmal in die Pfanne geben und etwa 7-9 Minuten backen, bis die Unterseite bräunt. Danach wenden und von der anderen Seite erneut 7-9 Minuten backen. Sollten die Muffins zu schnell bräunen, die Temperatur herunterschalten.

die in der Pfanne gebackenen Englisch Muffins

Laut Originalrezept kann man sie jetzt wie gesagt aufschneiden und sofort noch warm servieren. Ich würde allerdings empfehlen sie noch mal knusprig zu toasten.

frisch gebackene English Muffins

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6 Kommentare

  • Antworten
    Sandra von from-snuggs-kitchen
    15. November 2012 um 19:55

    Ich liebe Toasties – und jetzt habe ich endlich ein Rezept dafür, vielen Dank!

    Das „Backvergnügen wie noch nie“ habe ich auch, ich glaube, es ist wirklich in jedem Haushalt vorhaben! Wir haben auch immer die Weihnachtsplätzchen daraus gemacht – mmmh lecker!

  • Antworten
    Mariell
    15. November 2012 um 20:08

    Wow, das ist super klasse!!!! Ich hatte mich schon immer gefragt, wie die hergestellt werden! Dann muss ich wohl die Egg MCMuffins irgendwann nochmal mit selbst gemachten MC Muffins machen 🙂

    Damit gewinnst du bestimmt bei Zorra, da sie sich ja auch sehr für Brot interessiert.

    Liebe Grüße
    Mariell

  • Antworten
    Julia
    15. November 2012 um 22:11

    Das ist ja ein Hammer-altes Schätzchen. Sehr lustig… Ich liebe ja die uralte Dr Oetker Kochschule meiner Ma. Da steht original drin, dass die Hausfrau abends was Deftiges kochen muss, damit der Mann nach getaner Arbeit wieder Kalorien zuführen kann. Ha! Das zitiere ich immer, wenn wir zwei Bürohocker abends heimkommen 😉 Sehr charmanter Beitrag von Dir zum Event!

  • Antworten
    Frau V
    16. November 2012 um 6:04

    Das ist ja ein nettes Schätzchen! Ich steh ja total auf so alten Kram!! 🙂 Und auf English Muffins sowieso!

    Schöne Grüße!
    Schwester V

  • Antworten
    bushcook
    16. November 2012 um 12:26

    Putzig ist wirklich das richtige Wort, für Dein altes Schätzchen. Da hast Du eine gute Wahl getroffen und wenn ich nicht so eine Backniete wäre, könnte ich mich auch mal an die Toasties heranwagen…
    Danke Dir für Deinen schönen Beitrag.

    P.S.
    Das Backvergnügen steht hier auch.

  • Antworten
    Anonym
    22. März 2013 um 12:25

    Sehr schön, die habe ich schon länger gesucht. Gelingen super, schmecken besser als gekauft *ggg*.
    Vielen Dank.
    Lg Kathie Jo

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