Unterwegs

Von chinesischem Schweinebauch, frittierten Oreos und Soft-shell Crabs: ein Besuch auf dem Street Food Festival in Köln

Uwe Feller ist Gastronom aus Leidenschaft. Anders kann man nicht erklären, dass er mit seinem Team einen 40 Jahre alten, extrem runtergekommenen UPS-Truck in mühevoller, monatelanger Kleinarbeit zu einem Foodtruck umgebaut hat. Die komplette Entstehungsgeschichte des Speisewagen kann man sich auf der zugehörigen Speisewagen-Facebookseite angucken. Bis auf die Außenhülle blieb nichts stehen (und selbst die nicht, wenn man es genau nimmt…). Jedes noch so kleine Teil wurde auseinander genommen und neu eingesetzt. Und die Mühe hat sich gelohnt: herausgekommen ist ein feuerroter Flitzer, durchgeplant bis ins kleinste Detail und perfekt gestaltet für eine Küche auf Rädern. Glänzende Edelstahlflächen, feinstes Leder und edles Holz sprechen für sich.

So sehe ich den Truck zum ersten Mal auf dem Kölner Street Food Festival (und nächstes Mal schieße ich auch selber ein schönes Foto vom Truck, versprochen!) . Dort sticht er durch seine auffallende Größe und knallige Farbe hervor. Aber nicht nur der Auftritt macht ihn zu etwas Besonderem. Das besondere ist das Angebot: Statt Burger, Pulled Pork oder Sandwiches – dem klassischen Streetfoodessen mit amerikanischem Ursprung – werden hier handgeschabte Spätzle mit zarten Duroc-Schweinebäckchen serviert. Und das Konzept scheint aufzugehen: lange Schlangen bilden sich vor dem ferrariroten Foodtruck. Nach dem ersten Biss in die cremig-würzigen Käsespätzle nickt jeder bedächtig und lächelt beseelt. Unsere heimische Küche kann so hip sein! Das Geheimnis ist die frische Zubereitung vor Ort und die Mischung aus zwei unterschiedlich lang gereiften Bergkäsesorten und Emmentaler, verrät mir Uwe im Gespräch.

Normalerweise bietet er einen Partyservice mit den deutschen Klassikern, wie man sie von Firmenveranstaltungen und Straßenfesten kennt – da ist die heimische Küche auf Streetfood-Veranstaltungen nur konsequent und eine tolle Abwechslung. Die Spätzle sind weich und cremig, der Käse hat genau die richtige Würzung und wahlweise kann man die Käsespätzle noch mit herrlichen Röstzwiebeln oder eben den Schweinebäckchen ordern. Die stammen von thüringischen Duroc-Schweinen und werden 9 Stunden ganz sanft und nur leicht gewürzt geschmurgelt. Etwas Rotwein rundet die Sauce ab und die passt genau wie die Bäckchen ganz hervorragend zu den Spätzle. Wein und Käse könnten nicht besser harmonieren: die Sauce ist mild, der Käse kommt immer noch würzig durch und die Bäckchen zerfallen auf der Zunge. Köstlich und unbedingte Probierempfehlung, auch wenn ihr vielleicht wegen Burgern und Co. auf das Festival kommt.

Handgeschabte Käsespätzle mit geschmorten Duroc-Schweinebäckchen vom Speisewagen

An diesem Sonntag im März hat aber alles erst mal mit einem köstlichen Cappuccino von Kaffeefahrt angefangen. Vor dem Ansturm, dann wenn das Street Food Festival bei Jack in the Box in Köln-Ehrenfeld um 12 Uhr seine Pforten öffnet, geht es noch gelassen zu. Köche und Techniker grüßen sich, Standnachbarn umarmen sich freundschaftlich, man kennt sich. Und alle treffen sich bei Alex und seinem Kaffeestand wieder. In Windeseile bildet sich jetzt – schon vor der eigentlichen Öffnung – eine Schlange, um einen köstlichen Espresso oder Cappuccino zu ergattern.
Im Rahmen eines Bloggertreffens durften wir schon um 11:30 Uhr auf das Gelände und uns in Ruhe umgucken. Und natürlich probieren!

köstliche Kaffeespezialitäten von Kaffeefahrt beim Street Food Festival in Köln

Die Jungs und Mädels von J. Kinski kommen aus Thüringen und haben sich mit ihrem Streetfood-Stand auf opulent belegte Sandwiches spezialisiert. Ihr Motto „Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen!“ kann ich voll und ganz unterschreiben. Das Dinkelvollkornbrot wird selbst gebacken, das verwendete Bio-Rindfleisch stammt von glücklichen, freilaufenden Kühen und wird sous-vide gegart und dünn aufgeschnitten auf die Stullen gelegt.

Den besonderen Kick geben die Saucen: Ob „Frenchman“ mit Trüffelmayo, „Green Bay Cheese“ mit Jalapenos und Cheddarsauce oder „Mr. Crabbs“ mit Krabbenmayo – allesamt ein Knaller. Alle Sandwiches werden außerdem mit selbst gemachtem Coleslaw und geschmorten Zwiebeln serviert. Da wundert es niemanden, dass sich mittags schon lange Schlangen um den Stand versammeln und das Team am frühen Nachmittag schlicht und einfach ausverkauft ist.

Dreierlei Sandwiches von J. Kinski beim Street Food Festival in Köln
köstliche Sandwiches von J. Kinski aus Thüringen: Bio-Rindfleisch, hausgebackenes Dinkelvollkornbrot

Die Jungs von der Straßenküche nennen sich selber Ol’Spice Boyz und man merkt schnell, dass der Name Programm ist: es duftet verrührerisch, da hinten im Außenbereich von Jack in the Box. Das 5-Spice-Gewürzpulver ist eine eigene Mischung und seit letztem Sonntag bin ich auch im Besitz eines Tütchens. Das muss ich wohldosiert und gut überlegt einsetzen. Allein der Duft macht süchtig!

Was ich dort aber probieren durfte, ist eine Offenbarung: Crispy Pork Belly Thai Style. Hä? Na, Schweinebauch! Gut gewürzt, 32 Stunden bei 62 °C gegart und dann knusprig frittiert. Ich bin ja sonst wirklich kein Bauch-Fan und mag generell Fett an Fleisch nicht sehr gern, aber das hier, das ist eine Offenbarung! Butterzart innen, kross außen, gebettet auf weiche Auberginen mit Koriander und Frühlingslauch. Wow! Ich lass das Bild dann mal für sich sprechen und sage: wir sehen uns Sonntag in Düsseldorf – ich freu mich drauf!

Crispy Pork Belly Thai Style von den Ol' Spice Boyz / Straßenküche aus Düsseldorf beim Street Food Festival Köln

Hola amigos! Die smarten Jungs von Los Carnales bieten mexikanisches Streetfood vom Feinsten: Tacos und Quesadillas, wahlweise mit Schweinenacken oder gekochter Rinderzunge. Ich steh ja sehr auf Quesadillas und der Geschmack ist ein Knaller.

Besonderes Highlight: vier hausgemachte Saucen, an denen man sich einfach selber bedienen kann. Von mild bis höllisch scharf ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Mango-Salsa war ‚chön ‚charf. Und ich frage mich bis jetzt, ob die ganztägig andauernde Schlange vor dem Truck jetzt wirklich nur an den Speisen oder an den charmanten chicos liegt…

Saucenauswahl von Los Carnales zu Tacos und Quesadillas auf dem Street Food Festival in Köln

Schokoriegel sind ja schon an sich eine Schweinerei. Wenn man sie dann aber noch in eine Teighülle packt, in Fett ausbäckt und als „Deep fried Oreos“ oder „Deep Fried Lion“ verkauft, dann ist das einfach nur noch Foodporn. Und was für einer! Nein, es ist nicht zu süß und nein, es ist nicht zu fettig.

Man bekommt eine wunderbar krosse Teighülle mit weicher Füllung und cremigem Lieblingsriegel. Die bezaubernden Mädels von Der kleine Munchkin haben da offenbar genau einen Nerv getroffen und das Ergebnis spricht für sich: keine Schlange war länger als die vor dem Süßkram-Truck. Daumen hoch für diese kleine, feine Schweinerei!

frittierte Oreos und Schokoriegel von Der kleine Munchkin beim Street Food Festival in Köln

Um den Magen ein bisschen zu beruhigen, muss man sich auch mal ein kleines Getränk gönnen, nicht wahr? Gut, dass Pankowalksi aus Polen angereist sind und ihren selbst angesetzten Wodka mitgebracht haben! Ob Honig-Zimt-Ingwer mit Kardamom, Bitter-Zitrone oder Limette-Minze – es knallt und es brennt! Und wie! Honig-Wodka – das sieht erst mal aus wie Hustensaft und hat auch eine ganz ähnliche Konsistenz. Bestimmt hilft es auch in der Grippezeit. Ganz bestimmt sogar.

Aber das Gefühl, wenn der scharfe Wodka durch ist und der milde Honig sich danach auf den Gaumen legt – unbeschreiblich. Limette-Minze ersetzt in nur einem Schluck einen Sommerdrink – es sprudelt im Mund und man fühlt sich sofort an eine Strandbar versetzt. Irre. Probieren – in Maßen – lohnt sich hier wirklich, wenn ihr mal etwas Neues ausprobieren wollt.

selbst angesetzter Wodka bei Pankowalski aus Polen beim Street Food Festival in Köln

Last but not least haben uns Martin und Walter von der Fetten Kuh (wer kennt den coolsten Burgerladen der Stadt des Landes der Welt nicht!) zu ihrem neuen Truck eingeladen. Innerhalb von nur 5 Wochen ist das Konzept für The Wurst Case Szenario entstanden – den Foodtruck, bei dem es um die Wurst geht. Burger alleine haben nicht gereicht, der neueste Trend sind ganz klar die Hot Dogs. Und die Jungs von Die fette Kuh wären nicht sie, wenn sie nicht die coolsten Kreationen im Gepäck hätten: von Chili-Dog im Sepia-Brötchen über Weißwurst-Dog bis hin zu meinem Favoriten dem Chorizo-Dog mit Sauerkraut – das ist Fastfood deluxe, Streetfood vom Feinsten!

Die Brötchen kommen vom gleichen Bäcker, der auch die Buns für den Burgerladen produziert, die Wurst stammt vom Metzger des Vertrauens: Kleinjung aus Engelskirchen. Trotz internationaler Kreationen bleibt es also gewohnt regional. Bis auf eine Ausnahme und damit eine völlig neue Erfahrung: das geniale Soft-Shell Crab-Sandwich! Butterzartes Fleisch mit knusprigen Beinen. Irre Idee und sicher noch ein Geheimtipp.

Und war es morgens noch ruhig, kam die Wurst-Case-Szenario-Truppe im Laufe des Tages mächtig ins Schwitzen in ihrem schicken Trailer. Der Aufwand hat sich gelohnt – ich bin mega begeistert von der Auswahl.

der The Wurst Case Szenario Foodtruck auf dem Gelände des Street Food Festival Köln
Chili-Hot-Dog im Sepia-Brötchen von The Wurst Case Szenario beim Street Food Festival in Köln
Chorizo-Hot-Dog mit Sauerkraut von The Wurst Case Szenario beim Street Food Festival in Köln
Soft Shell Crab von The Wurst Case Szenario beim Street Food Festival in Köln
Softshell-Crab-Sandwich von The Wurst Case Szenario beim Street Food Festival in Köln

Hat es leider nicht mit aufs Bild geschafft, war einfach zu lecker und zu schnell verputzt: Die köstlichen Macarons und Mini-Cupcakes von Dehly & deSander. Vielen Dank für das hübsche Care-Paket, das war der perfekte Nachtisch! Mehr Leckereien gibt es auf der Facebookseite der Pâtisserie zu sehen: Dehly & deSander Pâtisserie.

Ja, man steht an und ja, die Schlangen vorm Einlass und vor den Ständen sind legendär. Doch haltet durch! Euch erwarten nette Teams von den süßen Munchkin-Mädels über die charmanten Los Carnales-Chicos bis hin zu den coolen Wurst-Case-Jungs – die alle für ihre Produkte brennen und euch mit ganz viel Herzblut und Leidenschaft beste Produkte servieren. Bringt Appetit mit, lasst euch über das Gelände treiben und probiert euch durch das Sortiment.

Wagt mal etwas Neues und probiert fremde Geschmacksnuancen und ungewohnte Gerichte. Ich sage: es lohnt sich! In Köln haben sich insgesamt 38 Stände präsentiert – wie ihr seht, konnte ich euch nur eine kleine Auswahl davon präsentieren – es gibt natürlich noch viel mehr tolle Sachen zu probieren. In Düsseldorf haben sich sogar 50 Stände angemeldet – man hat also die Qual der Wahl.

Weitere Infos zur Veranstaltung findet ihr hier: Street Food Festival

Ganz lieben Dank an alle Standbetreiber, die uns eingeladen haben uns durch ihr Sortiment zu schlemmen. Ganz besonderen Dank auch an Till und Martin für die nette Einladung und die tolle Organisation! Wir sehen uns am kommenden Sonntag in Düsseldorf wieder.
Wer ist noch dabei?

Till vom Street Food Festival und Martin von Die fette Kuh und The Wurst Case Szenario

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5 Kommentare

  • Antworten
    Tonkabohne Sabine
    7. März 2015 um 5:08

    Liebe Maja,
    Ein spannendes Projekt 🙂
    Finde ich große Klasse…
    Da hast Du tolles Stunden verbracht, das sieht man!!!
    Herzliche Grüße,
    Sabine

  • Antworten
    Nina
    8. März 2015 um 17:20

    Oh, da möchte ich soo gerne auch mal hin. Allein der Gedanke … und die Bilder dazu.
    Sei allerliebst gegrüßt von Nina, bis bald.

  • Antworten
    julieskochart
    18. März 2015 um 19:04

    Hello 🙂 Durch deinen Bericht ist meine Vorfreude auf das Street Food Festival in Wien noch größer! Bin schon gespannt, wie es wird! Find deinen Blog super! 🙂 Liebe Grüße aus Österreich, Julie

  • Antworten
    Liv
    23. März 2015 um 19:33

    Oh man – ich habe deinen Bericht gerade verschlungen und wünsche mir nichts mehr, als selbst mal auf so einem tollen Street Food Festival alles durchprobieren zu können. Froilein Pink hatte an dem Tag schon fleißig Bilder mit uns geteilt und ich bin absolut hin und weg von deinen ausführlichen Erzählungen dazu (und HALLO – Soße zum selbstbedienen? Ich als Soßenkind bekomme gerade weiche Knie ♥)

    Einfach toll ♥

  • Antworten
    Löffelgenuss
    27. März 2015 um 9:49

    Liebe Maja,
    so, endlich komme ich mal dazu, mich durch eure Berichte zu lesen – und bin gleich noch ein bisschen trauriger, dass ich nicht dabei sein konnte. Vielen Dank für deinen Bericht! Ich war damals auch ganz begeistert und bin bestimmt noch mal dort.
    Liebe Grüße
    Julia

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